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Aufsatz

Lesen Sie hier Definition und Erläuterungen sowie Abgrenzung zu „Glaubenssätzen“ in meinem Aufsatz Zwänge und Glaubenssaetze

Warnung!

Die Begriffswahl „Zwang“ erhebt in diesem Artikel an keiner Stelle den Anspruch wissenschaftlicher Haltbarkeit.
Bewusst wird – mangels psychologischer Fachkompetenz der Autorin! – auf die perfekte Abgrenzung zwischen „Krankheitsbild“ und „Angewohnheit“ verzichtet.
Auch die enge Verbindung zwischen Zwang und Sucht (Kontrollzwang, Kontrollsucht) bleibt aus diesem Grund hier unerwähnt.

Was sind Zwänge?

Zwänge werden durch Glaubenssätze ermöglicht und gestützt. Zwänge sind also „normal“.[1] Jeder hat sie, jeder kennt sie.
Umgangssprachlich sind Zwänge fast immer negativ konnotiert: „Ein zwanghafter Typ“,„Zwangsadoption“, „Ich bin gezwungen zu…“, „Zwangsversteigerung“, „sein zwanghaftes Bemühen“, „ich zwinge mich zu…“, „zwanghafte Ordnung“ etc.

Zwänge ohne Krankheitswert

Zwänge können ein Krankheitsbild darstellen wie etwa Waschzwang, Narzissmus, Kontrollzwang etc. Mit Krankheitsbildern hat ein Coach jedoch nichts zu tun; er kümmert sich nur um Angewohnheiten.
Um jene Zwänge – außerhalb von diagnosefähigen Krankheiten – zu verstehen, gibt es hier einige Kurzinformationen über „Zwänge ohne Krankheitswert“:

  • Zwänge sind bequem und praktisch für ihren Inhaber, der ihre Existenz gewöhnlich extern begründet – und damit Ursache und Wirkung verdreht: „Solange meine Sekretärin was falsch macht, traue ich ihr nicht.“ Dem Inhaber zwanghaften Misstrauens („Man kann niemandem trauen“) bleibt unklar, dass gerade dieses Misstrauen die Basis von Fehlern anderer ist.
  • Zwänge „schützen“ ihren Inhaber also davor, sein Verhalten selbst zu verantworten und ein eigenes Ziel zu definieren bzw. zu halten. Sie benötigen, um zu überleben, eine „Schuld anderer“ oder eine „Schuld der Konjunktur“.
  • Zwänge treten stets zeitgleich in subjektiver Empfindung und objektiver Funktion auf: Subjektiv bewirken sie den Eindruck: „Ich kann nicht anders. Ich muss das jetzt so machen. Ich habe keine Wahl.“ Objektiv sind Zwänge ein Schutz vor dem voreiligen Durchbrechen und Flexibilisieren von Gelerntem und von Gewohnheiten. Sie bewahren Bewährtes und schützen vor Niederlagen und Unsicherheit.
  • Je vehementer der Inhaber eines Zwangs dessen Nutzen für das eigene System bestreitet, desto höher ist vermutlich der faktische objektive Nutzen. Manche Menschen halten panisch an ihren – angeblich unänderbaren – Zwängen fest, weil alles Unerprobte zu ungewiss, gefährlich und unbequem wäre.
  • Zwänge sind für Laien am ehesten erkennbar durch ihren kontextunabhängigen Einsatz; die fehlende Flexibilität ihres Besitzers ist dabei typisch: „Ich muss immer pünktlich sein“ ist zu Beginn und Ende eines meetings perfekt, mutiert jedoch beim Ausflug mit den Kindern in den Zoo zu einer Inszenierung unnützen Terrors.
  • Zwänge werden sprachlich durch Absolutheitswörter („immer, jeder, nie“) sowie durch die Inszenierung von Monokausalitäten („Immer wenn X geschieht, muss ich Y machen….“) und durch das modale Hilfsverb „müssen“ in allen seinen Schattierungen („Nichts anderes bleibt mir übrig als…“) transportiert.
  • Zwänge werden von ihren Besitzern bisweilen auch bewusst aus rein (verhandlungs-) taktischen Gründen ins Feld geführt, um einen anderen, höherrangigen Wert (Bequemlichkeit, Sicherheit, Geld, Image…) zu schützen: „Ich kann nicht anders.“ „Es geht nicht.“ „Meine Umgebung wird das nicht tolerieren“.
  • Zwänge haben viele umgangssprachliche Namen: „Macke“, „Meise“, oder einfach nur „Angewohnheit“. Nicht-Mediziner (wie z.B. die Autorin) grenzen „Zwänge“ nicht von „Macken“ ab, sondern verwenden das Wort „Zwang“, wenn sie negative Konnotationen ausdrücken wollen, während das Wort „Angewohnheit“ den Charakter von Harmlosigkeit betont. Der Inhaber eines echten Zwangs versucht oft, diesen zu einer „Angewohnheit“ herunterzuspielen („Jeder hat doch so seine Eigenheiten“).
  • Vielen Menschen sind ihre eigenen Zwänge ein Ärgernis („Hab ich mich schon wieder so übertrieben aufgeregt!“), die Zwänge anderer Menschen werden kopfschüttelnd hingenommen („Komische Angewohnheit!“), aggressiv bekämpft („Dämliche Besserwisserei schon wieder“) oder interessiert analysiert („Wow! Interessant. Ganz schön coole Macke!“).
  • Zwänge können sich sowohl nur im Denken (feed-back nur nach innen: sich grämen, zurückziehen, selbst beschimpfen, ungenügend fühlen etc.) als auch zusätzlich im Handeln nach außen manifestieren. In jedem Fall folgt das zweite Verhalten immanent logisch aus dem ersten (Impuls = Reaktion). Der Besitzer des Zwangs empfindet – u.U. als einziger – jedes andere Verhalten als „unlogisch“
  • Die Inhaber eines Zwangs tragen ihre fehlende eigene Kongruenz gern zu Lasten anderer Menschen und – oft auch – zu Lasten eigener Gesundheit aus. Das hängt zusammen mit dem fehlenden Mut, sich selbst als Inhaber eines Zwangs und damit als Verursacher von Ärger, Missverständnisse, Zorn, Rache etc. zu sehen.
  • Inhaber eines Zwangs bringen sich selbst um Macht und Einfluss. Könnten sie nämlich erkennen, dass sie selbst – und eben nicht äußere Faktoren – die Entstehung suboptimaler Zustände in der Umgebung und in sich selbst verantworten, hätten sie sofort die Macht, diese Zustände zu drehen, indem sie sofort Ihr Verhalten umstellen.

Was bewirkt ein Coaching?

Mit Hilfe eines Coachings kann ein Inhaber eines Zwangs sein zwanghaftes Verhalten durch ein anderes Verhalten nachhaltig und für immer ersetzen. Voraussetzung dafür ist:
Das neue Verhalten muss denselben Nutzen darstellen wie das ursprüngliche, zwanghafte Verhalten.
Ein paar typische Überlegungen werden zu Beginn eines Coachings offen thematisiert:

  • Nicht jeder Zwang ist also sofort durch ein Verhaltenstraining (Seminar) änderbar.
  • Häufig wird ein Coaching (Zweiergespräch) zunächst die Unsicherheit beseitigen müssen, die entsteht, wenn der Klient einen Zwang aufgeben möchte und noch keine relevante „Ersatzhandlung“ für das zwanghafte Verhalten kennt.
  • Nachhaltig wird eine Verhaltensänderung nur gelingen, wenn durch das neue Verhalten derselbe Wert sichergestellt wird wie durch den Zwang.
  • Jeder Zwang stützt einen dahin liegenden, höheren Wert – und hat damit für seinen Besitzer eine positive Intention.
    Beispiel: Der Zwang „Ich muss immer meine Kinder anbrüllen, sobald die was falsch gemacht haben“ sichert den Wert „Lernen“. Damit das Kind wirklich lernen kann, wähle ich nun jedes Mal ein anderes Verhalten, nämlich: „Mit dem Kind über den Fehler sprechen. Fragen, wie es dazu kam. Fragen, wie es selbst beim nächsten Mal die Sache vermeiden kann. Dem Kind sagen, dass Fehler super sind zum Lernen.“)

Ihre Anfrage

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